WM18/Shifu Roger Stutz –Coach der Schweizer Nationalmannschaft SWISS KUOSHU Federation
Bei der diesjährigen WM-Vorbereitung geht die SWISS KUOSHU äusserst professionell an den Start. Neu gibt es ein «Konzept Nationalkader», welches die Aufnahme, bzw. die Qualifikation ins Turnier A- und B-Kader regelt. Nur wer sich einen Platz im A-Kader erkämpft, darf auch an die Weltmeisterschaft, welche alle drei Jahre durch die WORLD KUOSHU FEDERATION ausgetragen wird.
Dieses Jahr dürfen wir drei Schüler vom Shaolin Chan Tempel stellen. Rahel Thoma, Daniele Pavese und Salvi Ferrara (Lin Ying, Shifu Shi Yong Lin) reisen am 27.-29.07.2018 nach Hunt Valley (USA).
Shifu Roger Stutz ist als Nati-Coach der 11-köpfigen Nationalmannschaft massgeblich am Training und der Vorbereitung unserer Athleten beteiligt.

Shifu Roger Stutz, vom Shaolin Chan Tempel haben sich dieses Jahr drei Schüler qualifiziert. Was viele nicht wissen, unsere drei Athleten mussten ein dreijähriges Qualifikationsverfahren durchlaufen. Was muss ich tun, wenn auch ich an einer Weltmeisterschaft teilnehmen möchte?
Grundsätzlich ist es vor allem wichtig, dass die Schüler regelmässig und viel trainieren. Nur so kann es überhaupt dazu kommen, dass die erforderten Pflichten erfüllt werden können. Da es in den vergangenen Jahren, seit der ersten WM 2003 in Brasilien, immer mehr Interessierte gab, welche an einer WM teilnehmen wollten und zugleich die Qualifikationsbedingungen der TWKSF verändert wurden, hat auch die Schweiz ein Konzept für A und B Kader erstellt.
Früher durften grosse Gruppen von Athleten aus derselben Nation in der gleichen Kategorie starten, dies ist heute nicht mehr möglich. Die Organisation gibt nur noch zwei Athleten Kontingente pro Kategorie frei. Dies bedeutet, dass wir natürlich nur die Besten der Besten mit an die WM nehmen können. Wichtige Kriterien sind aber nebst regelmässigen nachweisbaren Turnierbesuchen, national wie international, auch mindestens einen Podestplatz an einem internationalen Turnier. Nebst all den technischen Voraussetzungen kommen natürlich auch immer wieder hohe Kosten auf jeden einzelnen Athlet zu, welche leider nicht immer mit Sponsoren gedeckt werden können.
Aber ganz einfach gesagt gehen wir die dreier Regel; Technische Voraussetzung, sprich internationale Podestplätze, die nötigen finanziellen Mittel und Zeit für die intensive Vorbereitung von drei Jahren und natürlich auch die Rund zwei Wochen Aufenthalt in dem Land in dem die Meisterschaft ausgetragen wird.
Du warst ja bereits an einigen Weltmeisterschaften mit unseren Schülern dabei. Was findest du macht der grosse Unterschied zwischen einer Weltmeisterschaft und einem nationalen Turnier?
Oh das sind ganz viele Sachen. Ich denke das fängt mit der Psyche an, das es sich eben nun um ein weltweites Spektrum handelt wo sich nur die Besten aller Nationen messen. Dabei schwingen die Emotionen mit und schon ist es ein ganz anderes Gefühl als bei einem Nationalen Turnier. Es gibt meist eine längere Reise und diese ist mit höheren Kosten verbunden. Somit wird einfach alles etwas konkreter und der Fokus ballt sich komplett auf diesen Anlass. Auch die Austragung ist dann einfach noch etwas anders als national. Weltmeisterschaften sind aber weit viel mehr als „nur“ eine Meisterschaft. Es geht um Aspekte wie Freundschaften, Verbundenheit und gemeinsame Stärke, all dies macht es zu einem unvergesslichen Ereignis!
Leider gehört das traditionelle Kung Fu immer noch einer Randsportart an. Entsprechend ist auch die Suche nach potentiellen Sponsoren sehr schwer. Wie sieht es dieses Jahr aus? Konntet ihr Sponsoren gewinnen?
Ja, das ist wirklich immer sehr schwer. Vor Jahren haben wir mit grossem Aufwand ein professionelles Sponsoren Konzept geschrieben. Mit dem haben wir dann auch gearbeitet und kleinere Sponsoren gefunden. Um aber aktiv Sponsoren zu finden muss man diese auch angehen und einen erheblichen Aufwand betreiben. Die ersten Jahre haben wir diesen Aufwand über eine zentrale Person gesteuert. Da dies aber alles immer auf Ehrenamtlicher Basis verläuft wurde es auch immer schwieriger Helfer zu finden. Somit sind seit der letzten WM in Argentinien die Athleten selbst verantwortlich für sich Sponsoren zu finden. Wie es da konkret bei jedem Einzelnen aussieht, kann ich nicht sagen.

Viele fragen sich jetzt sicher: Was aber was bringt mir eine Teilnahme an Turnieren? In welchen Bereichen bringt mich eine Turnierteilnahme weiter?
Wie schon gesagt geht es an einer WM nicht nur um die Meisterschaft, sondern um Freundschaft, Verbundenheit und Frieden aller Nationen. Dies sind sicherlich die zwischenmenschlichen Aspekte, aber auch auf das technische Kung Fu bezogen, ist es eine wertvolle Erfahrung und eine enorme Entwicklung jedes einzelnen Athleten. Die Athleten würden sonst nie so ambitioniert und so lange an einem spezifischen Thema trainieren, verfeinern und sich schulen lassen. Ganz nebenbei wird das Selbstvertrauen, sowie das Auftreten vor Publikum enorm gestärkt. Aus diesen Gründen ist es eine Bereicherung auf der ganzen Linie. Sich einmal auf diese Prozesse einzulassen kann ich jedem empfehlen.
Als Coach der Nationalmannschaft leitest du zusammen mit Fadri Canal von der Kung Fu Schule Martin Sewer die Trainings der Nationalmannschaft. Wie kann man sich ein solches Training vorstellen? Welche Schwerpunkte werden in den Trainings gelegt?
Wir haben bewusst die Schwerpunkte ein wenig aufgeteilt um unsere Spezialgebiete exakt einzusetzen. Fadri Canal ist seit vielen Jahren im Schiedsrichterwesen tätigt und leitet auf nationaler Ebene sämtliche Schiedsrichterausbildungen. Darin sind vor allem Technische Aspekte enthalten, wie das Wertungssystem, und die Punktereglemente. So können sich die Athleten gezielt auf das konzentrieren was auch bewertet wird. Zudem wird natürlich auch immer Kraft und Kondition trainiert. Meine Aufgabe war es in der Vorbereitung dieser WM die Athleten in Sachen Mentaltraining, Ernährung und Planung des Wettkampftages vorzubereiten. Nebst allen unterrichtstechnischen Aspekten stehen natürlich auch immer noch Registrationsarbeiten sowie Reiseplanung auf unserem Programm.
Und was glaubst du… Sind unsere Athleten bereit für die Weltmeisterschaft?
Für jeden einzelnen kann ich natürlich nicht sprechen, aber ich bin fest davon überzeugt, dass am Tag X alle auf ihrem höchsten Nivea sein werden. Es sind alle in einer sensationellen Vorbereitungszeit und trainieren hart auf die WM in den USA hin.
Shifu Roger Stutz, vielen herzlichen Dank für den kleinen Einblick in die Tätigkeit eines Nationaltrainers und des Nationalkaders.
Weitere Infos:
https://shaolintempel.ch/presse-medien/presse/
https://twksf.org/wp-content/uploads/2017/07/2018WorldTournamentFlyer.pdf
Die Interviewserie zur WM wurde durchgeführt von: Stefanie Burri (Lin Yue)