Ein Turnier zu Ehren von Shi De Feng
Zu Ehren von Shaolin Grossmeister Shi De Feng wurde am 20.10.2018 im Shaolin Chan Tempel Schweiz ein traditionelles Formenturnier ausgetragen. Während einem Tag stand alles im Zeichen von Workshops, gemeinsamer Zeit, dem Turnier und einem Gala Abend.
Solche Tage bieten einen Rahmen, schöne Stunden mit der Kung Fu Familie zu verbringen und die Zusammengehörigkeit zu stärken. Abseits des Trainings kann man seine MitschülerInnen, LehrerInnen und Meister von einer anderen Seite kennen lernen. Nicht zuletzt bietet es eine Plattform, um seine Fähigkeiten zu verbessern. Seit Monaten bereiteten sich die AthletInnen mit grosser Motivation auf diesen Tag vor.

Shaolin Grossmeister Shi De Feng
Der Tag startete um 9 Uhr mit Workshops von Kindern, für Kinder und Erwachsene. Schauen die Eltern normalerweise zu, durften sie einmal selbst mittrainieren. Auch die Grosseltern, Nachbarn, Gotti, Götti und “Gspändli“ standen heute im Trainingssaal und durften die Künste der kleinen Kung Fu Meister bestaunen. Auf dem Programm standen drei Themen: Anwendungen, Grundschule und ein “Shaolin Parcour“.
Generationenübergreifend wurde gelacht, trainiert, geschwitzt und so einiges gelernt…

Früh übt sich – Der Anwendungsworkshop war bei Klein und Gross beliebt.
Wir durften einige Stimmen einfangen:
Tom (58), normalerweise schaust du deinem Sohn Liam (6) zu. Heute war verkehrte Welt – wie war das?
Streng 🙂
Unsere Trainer haben wohl vergessen, dass wir Amateure sind. Wir standen gefühlt so lange in den Ständen, wie jeweils die Profis. Nein im Ernst, ich bin unglaublich fasziniert vom Ganzen. Ich könnte mir auch gut vorstellen, hier mit Taijiquan oder Ähnlichem zu beginnen. Momentan fehlt mir gerade die Zeit noch ein bisschen.
Ich habe auch echt gestaunt, wie hart die Junioren in die Pratze schlagen konnten. Es war auch sehr schön, diesen Anlass zusammen zu machen. Allgemein sind die Trainings immer spezielle Vater-Sohn Momente. Wir fahren zusammen zum Training, verbringen Zeit im Tempel und ich sehe, wie er sich im Kung Fu weiterentwickelt.
Und Liam (6), hat dein Papa Talent?
Ja, der war echt gut, er hat das toll gemacht. Auch Elina hat mitgemacht. Ich glaube, Papa war besser als die anderen. Er hat auch die Pratzen gehalten beim Kinderparcour, das war mutig. Da musste er gerade ein bisschen Schläge aushalten, wenn Leute wie ich reingehauen haben. Die Anwendungen haben mir am besten gefallen.
Liam, möchtest du sonst noch etwas zum heutigen Tag sagen?
Ich habe auch eine Klangschale.

„Schau Papa, so hebelt man einen Angreifer richtig aus“ – Tom mit Kindern Liam und Elina beim Anwendungsworkshop.
Tim Pfister (12) durfte den 1. Rang im Kinder Parcour holen. Wie fühlt man sich als Champion?
Mir hat es mega gut gefallen. Das Boxen hat super viel Spass gemacht und auch das Seilhüpfen und Schwingen war mega cool. Ich weiss nicht, warum ich gewonnen habe. Die anderen haben gesagt, dass ich in der Raupe ziemlich schnell war. Die anderen waren sehr schnell, mal schauen, wie es das nächste Jahr läuft.

Wir haben alle beim Kinder Parcour teilgenommen.
Den ganzen Tag wurde für das leibliche Wohl gesorgt. Neben einem grossen Kaffee, Tee und Dessertbuffet, wurde am Mittag frisch asiatisches Essen geliefert. Die Schwiegermutter von Andreas Krieger (Lin Hao), dem “Ressortleiter Kinderunterricht“, kocht öfters für Grossanlässe. Auch wir wurden beehrt. Auf dem Speisplan standen Zitronenreis mit Pancit, sowie Chop Suey mit Gemüse. Es blieben keine Wünsche offen!

Bei diesem Kuchenbuffet konnte so mancher nicht widerstehen, zwei Mal zuzulangen.
Um 12.45 Uhr startete das Turnier mit einem Löwentanz. Ein Löwentanzteam ist Bestandteil jeder traditionellen Schule und tritt bei festlichen Anlässen auf. Symbolisch wird das Glück im Raum verteilt.

Treten die Löwen auf, so bleiben die Münder vor Staunen offen…
Danach starteten die ersten TeilnehmerInnen. Knapp unter 50 Personen zeigten ihr Können. Es gab eine Kinder- und eine Erwachsenenkategorie. Alle Teilnehmenden durften genau eine Form zeigen. In der Jury sassen drei Kung Fu Meister und zwei fortgeschrittene Instruktoren. Gewertet wurde nach Ständen, Flow, Ausdruck, Technik und Gesamteindruck.
Einige Impressionen…



In jeder einzelnen Bewegung einer Taolu (Form) sind rund sechs verschiedene Anwendungsmöglichkeiten versteckt. Fortgeschrittene Schüler zeigten nach dem Turnier während einer Anwendungsvorführung, wie dies in der Praxis aussehen kann.
Danach stieg die Anspannung…
Die Rangverkündigung stand kurz bevor.
Eine Privatperson, welche nicht genannt werden möchte, sponserte das Preisgeld. Bei den Erwachsenen wurden für den 1. Rang 650 CHF zur Verfügung gestellt, bei den Kindern 100 CHF. Die 2 & 3 Platzierten erhielten eine tiefere Summe.
Obwohl Geld natürlich nicht an erster Stelle steht, ist eine Siegerprämie an traditionellen Turnieren normal. Sie dient als Form der Wertschätzung und Anerkennung. Gleichzeitig kann sie zusätzlich nochmals die Motivation steigern.
Der Speaker, Hans-Peter Christen, meinte mit einem Augenzwinkern, dass nächstes Jahr der Pot geöffnet wird. Weitere Privatpersonen und Firmen dürfen den Siegerpot erhöhen.



Bei den Kindern belegte Seran Raj-Vithuran den dritten Rang. Seran hat in den letzten Monaten sehr intensiv trainiert und durfte heute die Lorbeeren dafür ernten. Tim Pfister betreibt noch nicht einmal ein Jahr Kung Fu und landete mit einer Note von 7,74 als Zweiter schon fast zuoberst auf dem Treppchen. Dies lässt für das Turnier in einem Jahr einiges erhoffen. Marc Thoma, welcher schon einiges an Turniererfahrung mitbringt und mit seinem Können auch locker in der Erwachsenenkategorie hätte starten können, konnte sich mit einer sehr starken Leistung und einer Schlussnote von 8,14 den ersten Platz ergattern.
Marc, die Konkurrenz war stark, was hat den Ausschlag gegeben?
Ich war sehr nervös vorher. Immer wenn ich nervös bin, funktioniert es plötzlich. Es ist wie beim Trompetenspielen. Zu Hause geht es nie und in der Lektion klappt es dann plötzlich. Ich war echt beeindruckt wie gut die anderen Leute sind. Einige sind fast neu und können schon so viel. Und Tim war echt gut. Beim Hindernissparcour war er mega schnell. Seran hat heute echt tolles Kung Fu gezeigt.

Von links nach rechts – Tim Pfister, Marc Thoma, Seran Raj-Vithuran und Shi Xing Long (Roger Stutz).
Bei den Erwachsenen holte sich Stefan Buholzer den dritten Rang. Er bestach durch eine kraftvolle, technisch sehr saubere Darbietung und zeigte ein weiteres Mal, warum er regelmässig Podestplätze an Turnieren holt. Stefanie Burri (Lin Yue) erkämpfte sich den zweiten Rang. Sie gehört national wie international zu den Topathletinnen und konnte sich mit einer äusserst souveränen Leistung eine Note von 9.00 einholen. Ganz zuoberst landete Stefanie Kaufmann (Lin Feng). Galt sie schon im Vorfeld als insgeheime Favoritin, überraschte sie nochmals alle mit einer Darbietung nahe der Perfektion.
Stefanie, wir gratulieren dir zu deiner Leistung und dem ersten Platz. Was hast du während deiner Performance im Moment der Wahrheit gedacht?
Nichts!
Ich habe dann keine Gedanken. Ich habe einfach Freude, wenn ich etwas zeigen kann. Es ist einfach pure Freude. Glück und Freude sind die einzigen Gefühle, welche ich in diesen Momenten habe. Es geht auch gar nicht um das Zeigen. Es ist mehr wie ein Zuhause. Wenn ich Kung Fu mache, bin ich zu Hause, bin ich da, wo ich hingehöre.
Ich hoffe, dass nächstes Jahr noch mehr Leute kommen. Es geht nicht um Sieg oder Niederlage. Es geht darum, mit Versagensängsten umzugehen, seine Grenzen auszuloten und in erster Linie um Freude.

Von links nach rechts – Shi Yong Wen, Stefanie Burri, Stefanie Kaufmann, Stefan Buholzer und Shi Xing Long (Roger Stutz).
Anschliessend stand der weniger anstrengende Teil des Tages auf dem Programm. Nun konnten sich alle zurücklehnen.
Hierfür konnten wir exklusiv das Nam Anh Chinarestaurant Luzern gewinnen. Während dem ganzen Abend wurde ausschliesslich für unsere SchülerInnen ein grosser China Buffet Anlass organisiert. Bis spät in die Nacht wurde zusammen geredet, gegessen, über den Tag sinniert, philosophiert und gelacht…
Wir werden den Tag in guter Erinnerung behalten und freuen uns schon auf das nächste Turnier in einem Jahr. Gerne dürft ihr euch den Samstag, 2. November. 2019 schon fett in eurem Terminkalender ankreuzen.
Danke!
Euer Shaolin Chan Tempel Team
Insbesondere danken wir dem OK, allen Ressortleitern, dem Speaker, den Schulleitern, allen HelferInnen und natürlich allen Teilnehmenden und BesucherInnen.
Fotos: Christian Egli / Nyah Beck