Christian (1986)
Wir stellen uns vor.
Du hast Angst mit Kung Fu zu beginnen, weil es zu streng sein könnte. Vielleicht erging es anderen auch einmal so.
Du trainierst jeden Tag mit Leuten und weisst gar nicht, was ihre anderen Hobbies sind.
Du fragst dich, was Kung Fu bei Menschen auslöst.
In dieser Interviewserie fühlen wir den Schülern und Schülerinnen des Shaolin Chan Tempels auf den Zahn. Viel Spass 🙂
Dieses Mal durften wir mehr über Christian erfahren.
Wie lange machst Du schon Kung Fu?
Ich mache seit Oktober 2012 Kung Fu.
Wie oft trainierst Du?
Das ist eine tricky Frage. Was heisst trainieren, wenn Kung Fu doch im alltäglichen Leben in jeder Situation angewendet werden kann / soll? Körperlich trainiere ich durchschnittlich 2-4 h in der Woche und ich meditiere sicher zweimal pro Woche. Qi Gong mache ich leider viel zu wenig…
Wieso hast Du mit Kung Fu angefangen?
Weil das ein Kindertraum für mich gewesen ist und ich einen Ort gefunden habe, welcher auch eine schöne Lehre vertritt und lehrt.

Wie war für Dich der Einstieg in die Shaolin Künste?
Das Training war anfangs sehr intensiv. Mit der Zeit hat sich mein Körper an die höhere Belastung gewöhnt. Muskelkater wurde seltener und die Regenerationszeit verkürzte sich. Schritt für Schritt lernte ich auch die Philosophie und die Geschichte dahinter, was mich mega faszinierte und mich wie in einen Bann gezogen hat.
Was hat sich in Deinem Leben verändert seit du Kung Fu machst?
Ich war der Hyperaktive, nicht so selbstbewusste und mich selbst nicht mögende Typ. Nun bin ich zwar immer noch sehr aktiv, doch kann ich auch ohne THC die Ruhe und Stille geniessen. Auch bin ich selbstbewusster. Und auch wenn ich nicht immer 100% zufrieden mit mir bin, ich mag mein Ich viel besser als früher.
Was möchtest Du einem potenziellen Kung Fu SchülerIn mit auf den Weg geben?
Never give up! Auch wenn das Training hart ist, man seine Waffe in den Wind schiessen möchte, weil etwas nicht klappt, man das Gefühl hat nicht vorwärts zu kommen oder man einfach momentan den Spass verloren hat. Der Schlüssel liegt darin, nicht aufzugeben und nicht aufzuhören. Denn diese ’negativen‘ Sachen gehören ganz einfach dazu, um sich weiter zu entwickeln und weiter zu kommen.

Was ist Deine Passion wenn Du gerade nicht am Kung Fu praktizieren bist?
Meine Familie, Fahrrad fahren, wandern und Animes schauen.
An welchen Kursen nimmst Du teil?
Ich bin im normalen Kung Fu, im Löwentanz, in der Qinna Kleingruppe und zu einer Hälfte in der Yong Fa Kleingruppe (anm. Anwendungsgruppe). Auch nahm ich schon an div. Samstags-Kursen teil.
Welche Aspekte des Kung Fu interessieren Dich speziell?
Qinna!!! Qinna hat mich beim ersten Mal schon völlig fasziniert. Ich wiederhole auch sehr gerne Bewegungsabläufe und ausserdem interessiert mich die Meditation, welche Ruhe in mein Leben bringt.
Gibt es ein spezielles Erlebnis oder eine Erfahrung die Du im Kung Fu gemacht hast, die Du teilen möchtest?
Mit all den speziellen Erlebnissen könnte man ein Buch füllen… Gerne teile ich ein Erlebnis, welches ich während meines Aufenthalts 2016 bei Shiye in China erlebt habe und welches sehr tief mein Herz berührt hat:
Es war Wochenende und dann ist immer Markt im Quartier, in dem Shiye wohnt. Am Vorabend und die ganze Nacht hat es geregnet wie aus Eimern. Die Strasse, auf dem dieser Markt ist, hat bis ca 3/5 der Strasse ein leichtes Gefälle, auf dem nächsten Fünftel ist sie gerade und geht denn letzten Fünftel wieder leicht nach oben. Der ganze Regen hat den geraden Teil dann ein wenig überflutet. Am Markttag war die Sonne wieder strahlend am Himmel und Kinder plantschten in der übergrossen Pfütze. André Bucher und ich wollten auf die andere Seite und das am liebsten mit trockenen Füssen. Deswegen begannen wir auf dem 10 cm breiten Randstein zu balancieren. Als wir merkten, dass dies schwierig würde fragten wir 2 spielende Mädchen, ob sie uns rüber begleiten würden (mit Handzeichen, wir können ja kein Chinesisch). Als Dank für die Dienste gaben wir den Mädchen je ca 40 Rappen (in CHF umgerechnet). Am nächsten Tag gingen wir zum kleinen Laden im Quartier, welcher auch an dieser Markstrasse liegt. Nach dem Einkauf hatten wir 4 kleine Münzen übrig. Auf der Treppe des Nachbargebäudes sassen wir herum, tranken etwas und redeten. Da kamen wieder diese 2 Mädchen vom Vortag vorbei und dem einen gaben wir die 4 kleinen Münzen. Dieses bedankte sich und rannte direkt in den Laden. Wenige Augenblicke später kam sie wieder mit 4 einzelnen Bonbons heraus. Sie lief zu uns und gab ihrer Freundin ein Bonbon. Danach folgte eine Geste, welche mich fast zu Tränen rührte. das Mädchen, das sonst nicht viel besitzt, wies uns an, die Hand auszustrecken und legte André und mir je ein Bonbon auf die offene Handfläche…

Möchtest du noch etwas sagen?
Ja.. Herzlichen Dank an alle Leute unserer Schule! Miau! Lieben Gruss und E mi tuo fo.
Die Interviewserie wurde von Doris Huber organisiert und durchgeführt. Wir danken ihr für das Engagement.