Eine Woche Shaolin
Jonas Koch (19) war die zweite Osterwoche 2018 als Wochenaufenthalter bei uns. Während einer Woche durfte er sich ausschliesslich den Shaolin Künsten widmen und hatte einen eigenen Instruktor und Mentor, welcher ihn betreute. Die Wochenaufenthalte werden spezifisch an die Wünsche und Gegebenheiten der Gäste angepasst.
Jonas absolviert soeben eine Metzgerlehre und praktiziert daneben Karate, Ju Jutsu und Krav Maga. Seine Passion ist die Musik. Er spielt Klavier, Gitarre und Bass. Jonas verbrachte Zeit in mehreren buddhistischen Klöstern.

Jonas, was hat dich zu uns gebracht?
Seit meiner Kindheit hege ich eine unglaubliche Faszination für Kampfkünste und Shaolin. Während der Jugend ging die ein bisschen verloren und dieses Feuer ist in letzter Zeit wieder entfacht. Ich könnte mir gut vorstellen, in ein Kung Fu Kloster einzutreten. Bei meinem Karateverein wurde mir gesagt, dass es hier im Shaolin Chan Tempel die Möglichkeit für Wochenaufenthalte gibt. Ich habe dann im Internet recherchiert und war gleich Feuer und Flamme.
Und wie war der Anfang?
Der Anfang war schon hart. Dominik, mein Instruktor, hat mich nicht geschont. Genauso hatte ich es bei der Vorbesprechung gewünscht. Ich bin ja selbst schuld, ich hätte ja auch ein Programm mit viel Qi Gong und lesen wählen können J Die Umgewöhnung auf ein neues System, die Trainingszeiten von rund 10-14h am Tag und die vielen tiefen Stände brachten mich an meine Grenzen und darüber hinaus.
Wie sahen deine Tage aus?
Morgens um 6 Uhr sind wir aufgestanden und haben zusammen meditiert und Qi Gong gemacht. Um 9 Uhr haben wir uns dann ein leckeres Frühstück gegessen. Danach haben wir uns bis am Mittag den jeweiligen Themen gewidmet. Ich habe immer wieder gestaunt, was die Shaolin Künste alles zu bieten haben. Von Grundschule über Formen, zu Anwendungen, dem Sanda Vollkontaktsport bis hin zu Philosophie, Psychologie… irgendwie umfasst Kung Fu einfach alles. Am Nachmittag stand meist die Vertiefung der Morgenlektionen auf dem Programm. Am Abend besuchte ich die regulären Klassen. Ab und zu standen noch Speziallektionen an. Am Dienstagabend hatten wir noch Nachtlektionen im Wald. Ich habe im Dunkeln nichts mehr gesehen. Da lernt man, was es heisst: Kung Fu zu fühlen.

Wie kann sich ein Aussenstehender das Leben im Shaolin Chan Tempel vorstellen?
Es ist ein Ort der Ruhe, wo man den ganzen Alltagsstress hinter sich lassen kann. Das hilft einem, sich zu Fokussieren. Die Räumlichkeiten sind wunderschön und die Wälder und Flüsse im Umfeld tun ihren Rest für das Wohlbefinden. Die Leute sind unglaublich offen und sympathisch. Sie sind gleich auf mich zugekommen und haben das Gespräch gesucht. Ich habe mich von Beginn weg unglaublich gut aufgehoben gefühlt.
Welches war dein härtester Moment?
Der Montagnachmittag – Es gab so viele neue Sachen und alles schien unglaublich schwierig. Ich dachte, dass ich diese Bewegungen nie lernen werde. Zudem plagte mich der Muskelkater vom langen Verweilen in tiefen Ständen.

Und welches war der eindrucksvollste Moment?
Der Freitagnachmittag – Wir haben während der Woche viele Stunden nur am Grundfundament und der Grundschule gearbeitet. Das war teilweise schon recht intensiv und man hatte das Gefühl, nicht vorwärts zu kommen. Plötzlich am Freitag war es so, als würde plötzlich alles auf einen Schlag aufgehen – als hätte man den Einfall, wie ein Rätsel zu lösen ist und alles ging wie von selbst. Das war wirklich eindrücklich.
Du hattest während einer Woche die einmalige Gelegenheit während 24h mit deinem persönlichen Instruktor zu trainieren und leben. Wie war das?
Schon recht cool 🙂 Das war sehr wertvoll und eine der besten Möglichkeiten, um schnell vorwärts zu kommen. Alles wird genau auf dich angepasst. Wenn ich bei einem Thema etwas länger brauchte oder noch mehr dazu wissen wollte, konnten wir kurzerhand da einfach noch tiefer eintauchen. Die vielen kleinen „Spezialexkurse“ waren unglaublich bereichernd und die Vielfalt und Tragweite der Shaolin Kunst erstaunte mich immer wieder aufs Neue. Auch war es mega toll, dass sogar Pausen wie Unterricht waren. Während den Essenspausen konnte ich Dominik all meine Fragen über Shaolin und Buddhismus stellen.

Jonas, wie geht es jetzt weiter nach dieser Woche?
Zuerst einmal nachschlafen 🙂
Diese Woche hat mich so beeindruckt, dass ich weiterhin hier trainieren möchte. Jetzt muss ich einmal schauen, wie das mit der Arbeit vereinbar ist. Fribourg liegt ja bekanntlich nicht um die Ecke. Aber wo ein Wille, da ein Weg. Dem Karate möchte ich gleichzeitig auch weiterhin treu bleiben.
Jonas, deine abschliessenden Worte zu dieser Woche?
Die Woche hat „gfäggt“, die war echt genial und wird mir immer in Erinnerung bleiben. Ich durfte so viel über so viele verschiedene Themen wie Meditation, Kung Fu, Shaolin, Buddhismus etc. lernen. Dafür bin ich sehr dankbar. Dominik ist ein sehr guter Instruktor. Er war sehr geduldig und konnte mir immer alle Fragen beantworten.

Danke Jonas
Möchtest du auch einmal über längere Zeit in die Shaolin Kultur eintauchen?